Der Löwe auf Ihrem Sofa

Verhalten der Katzen

Haben Sie es gewußt?

Auch auf Ihrem Sofa liegt ein kleiner Löwe! Abgesehen von der Größe, dem Lebensraum und damit verbunden dem Beutespektrum unterscheidet Ihre Miez nämlich wenig von Tiger & Co. Beobachten Sie Ihre Katze, und dann gehen Sie in den Zoo, in den Tierpark oder auf Safari und schauen sich Luchse, Leoparden und Löwen an ... Sie werden staunen, wieviel Sie wiederfinden!

Foto: Judith Voce

Solo oder Rudel?

Fotos:  1. Judith Voce;  2. Rick Marin; [Public Domain]

Die Mär vom Einzelgängertum der Katze ist legendär. Ein ausgewachsenes Katzentier erobert sich sein eigenes Revier (wobei sich das Revier eines Männchens mit den Revieren mehrerer Weibchen überlappt), markiert dessen Grenzen fleißig mit Kot, Urinspritzern oder Kratzspuren und vertreibt jeden Artgenossen = Rivalen daraus mit Gebrüll und Gefauche. Allenfalls ein Sexualpartner wird noch geduldet, und das bitte auch nur zur Paarungszeit. Die Aufzucht der Jungen meistert die Katzenmutter dann alleinerziehend, während der Kater sich schon lange aus dem Staub gemacht hat. Bis auf Paarung und Jungenaufzucht lebt die Katze also unsozial-solitär vor sich in. Stimmt's?

Ja und nein ...

 

Die berühmteste Ausnahme bilden natürlich die Löwen, die bekanntermaßen im Rudel leben. Ein Löwenrudel, das bis zu 30 Tiere stark sein kann, besteht im Kern aus untereinander verwandten Weibchen und deren Nachkommen, das von einer Koalition aus einigen ausgewachsenen Männchen verteidigt wird. Die Löwinnen gehen (meist) gemeinsam auf die Jagd, und sie ziehen auch die Jungen in einer gemeinsamen "Kita" groß und säugen sie sogar gegenseitig. (Das war ein grober Überblick, mehr Details über verhalten und die komplexe Sozialstruktur von Löwenrudeln lesen Sie z.B. hier: Scheinfriede im Löwenrudel.)

Aber auch bei den klassischen Einzelgänger-Katzen stößt man, wenn man ein wenig liest und aktuelle Meldungen verfolgt, immer wieder auf Beobachtungen von Verhaltensweisen, die von der Lehrbuchmeinung abweichen. Offenbar ist das Sozialverhalten einiger Katzenarten weit plastischer als gedacht und kann mit den Lebensbedingungen variieren. Das erscheint mir so bemerkenswert, daß ich hier darauf hinweisen und ein paar Beispiele anführen möchte:

  • Vor einigen Jahren las ich einen beeindruckenden Forschungsbericht über verwilderte Hauskatzen in abgelegenen Bauernhöfen, an die 20 - 30 Tiere, die große Sozialverbände bildeten, vergleichbar mit denen der Löwen, inklusive gemeinsamer Jungenaufzucht durch mehrere Katzenmütter und Tanten. Leider weiß ich nicht mehr wo, so daß ich die Quellen nicht angeben kann (wenn mir da jemand auf die Sprünge helfen könnte, wäre ich dankbar)
  • Douglas Chadwick & Steve Winter (2013) in National Geographic Deutschland, Dezember 2013: Pumas (Puma concolor) im Westen der USA reagieren auf den stärker werdenden Konkurrenzdruck durch Wölfe mit "Aufrudelung", d.h. sie schließen sich zusammen.  Beobachtet wurden ausgewachsene Tiere gleichen Geschlechts, die sich die Beute teilten, oder eine Pumamutter, die die halbjährigen Jungen einer erschossenen Artgenossin adoptierte.
  • Susie Green (2006) in "Tiger": "Im Ranthambore-Nationalpark (Indien) wurde kürzlich beobachtet, wie Tigerjunge unterschiedlicher Eltern zusammen im Wasser spielten, während die erwachsenen Tiere gemeinsam auf die Jagd gingen und die Beute danach mit allen Jungen teilten." Die Autorin verweist auch auf Hanleys Beobachtungen in den Wäldern von Assam, daß Tigerväter, sobald die Jungen 4 Monate alt waren, sich aktiv an der Schulung ihrer Kinder beteiligten (Patrick Hanley (1961): "Tiger Trails in Assam", London). 
  • Gepardenmännchen formen Verbände, in denen sie zu zweit oder zu dritt (meist Wurfbrüder), selten mit bis zu 15 tieren zusammenleben. Die erwachsenen Weibchen sind oft in Gesellschaft ihrer Jungtiere anzutreffen, die 16 Monate lang bei der Mutter bleiben. 

Freunde mögen sich riechen

Fotos:  1. Catrin Adams, [Public Domain] via Pixabay;  2. Hisashi from Japan [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Freunde und Familienmitglieder werden mit einem zärtlichen "Köpfchengeben" begrüßt, danach streifen die Katzen gerne mit dem Körper aneinander entlang. Grund: Katzen besitzen zahlreiche Duftdrüsen, mit denen sie körpereigener Pheromone absondern können, insbesondere am Kopf (Schläfen, Kinn, Unterlippe), aber auch entlang des Rückens, am Analbeutel, am Schwanz und unter den Fußballen. Damit applizieren sie ihren Duft am Artgenossen (oder auch am Menschen) und sagen damit: "Du gehörst zu mir, zu meinem Clan, zu meinem Territorium."

Eine freundlich gesinnte Katze empfängt Dich (oder ihren Artgenossen) mit hochgestelltem Schwanz, Begrüßungsgurren und dem Nasenkuss. Zum freundlichen Gestus einer Katze gehört auch das Blinzeln (im Gegensatz zum Starren, das als bedrohlich und aggressiv empfunden wird) und das Schnurren. Schnurren und Blinzeln werden auch als Beschwichtigungsgesten eingesetzt.

 

Katzenwäsche

Fotos:  1. Bernard Landgraf [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons;  2. Judith Voce;  3. Charlesjsharp ; [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Katzen widmen sich ausgiebiger Fellpflege. Eine saubere Katze ist nicht zu riechen - weder für ihre Beute noch für potentielle Fressfeinde. Da die Notwendigkeit, für insbesondere Feinde geruchs-unsichtbar zu sein, mit zunehmender Körpergröße abnimmt, betreiben Großkatzen ihre eigene Wäsche nicht ganz so akribisch (bei ihren Jungtieren schon).

Geduldige Jäger

Fotos:  1. Rhaessner [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons ;   2. Judith Voce;  3. Linda Tanner [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Alle Katzenarten sind Jäger und spezialisierte Fleischfresser. Ihre Beute reicht von kleinen Nagern über Vögel bis hin zu großen Herdentieren, manchmal auch Fische und Reptilien.

Im Gegensatz zum Wolf, der als Hetzjäger seiner Beute über lange Strecken hinterherrennt, ist die Katze der klassische Lauer- oder Schleichjäger (Stalker). Ihre Taktik ist das Überraschungsmoment. Sie legt sich auf der Lauer und wartet, bis das Opfer vorbeikommt (oder aus dem Mauseloch heraus), oder sie schleicht sich mit großer Geduld auf den sprichwörtlichen Samptfoten so nah wie möglich an die Beute heran, um sie dann mit wenigen Sätzen oder einem kurzen Sprint zur erwischen. Selbst ein 300 kg schwerer Tiger kann sich dabei völlig geräuschlos bewegen.

  • Nach meiner subjektiven Beobachtung scheinen weibliche Hauskatzen bei der Jagd noch größere Geduld und Ausdauer aufzubringen. Vielleicht weil es zu ihrem biologischen Programm gehört, auch ihre Jungen mit durchzufüttern. Meine Katze konnte stundenlang im Gebüsch lauern und dann  völlig überraschend zuschlagen. So erwischte sie auch die Art von Beute, denen meine Kater (die nicht soviel "Sitzfleisch" hatten) nur frustriert hinterhermeckerten. Die Kater waren auch keine schlechten Mäusefänger, aber ihre Kill-Quote lag (im vergleichbaren Alter, in der gleichen ländlichen Umgebung) unter der der Katze.
  • In dem Buch "The Tiger" von John Vaillant, einer Reportage über einen Amur-Tiger in Sibirien, wird erzählt: wenn ein Jäger auf einen Tiger schoß, machte dieser dieser oft den Jäger ausfindig und lauerte dieser Person auf. In einem Fall, in dem er sich tagelang neben dessen Hütte postierte. Also die klassische "Katze-vor-Mauseloch"-Taktik. 
  • Der Gepard ist mit seiner gesamten Anatomie auf Schnelligkeit ausgelegt. Seiner Anschleichphase folgt ein ausgedehnter Sprint mit bis zu 93 km/ h auf eine Strecke bis zu 400 Metern. Erreichte er in dieser Zeit seine Beute nicht, muß er aufgeben, weil er sonst an Überhitzung sterben würde.

Kletterkünste

Fotos:  1. Judith Voce;  2. Arturo de Frias Marques [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons;  3. Charles Barilleaux, Cincinnati, Ohio, USA; [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Das Klettern liegt den (meisten) Katzen in der Natur, da sie sich mit ihren ausfahrbaren Krallen gut in weichen Oberflächen, z.B. in der Rinde eines Baumes, festhaken können. Zum Aufstieg benutzen sie die kräftigen Stemm-Muskeln ihrer Hinterbeine, ihre Ober- und Unterschenkel und die Muskeln ihrer Pfoten. Der Abstieg fällt nicht ganz so leicht, hierzu muß die Katze lernen, rückwärts vom Baum zu klettern, indem sie die Krallen als Steigeisen einsetzt. Es gibt jedoch auch auch wahre Kletterspezialisten unter den Katzen, die auch vorwärts den Baum hinunterklettern können, wie z.B. den Leoparden, der selbst seine schwere Beute in den Baum schleppt, oder den Nebelparder, der nur an den Hinterpfoten herabhängend, akrobatisch die Äste entlanghangelt. Und es gibt auch Arten, die gar nicht klettern, wie der Gepard oder die Sandkatze.

Ein Schläfchen in Ehren

Text: in Arbeit

Fotos: Judith Voce

Stretching

Mein Kratzbaum - mein Revier!

Text: in Arbeit

Fotos:  1. Judith Voce;  2. Joachim Huber - originally posted to Flickr as Cheetha, Southern Namibia, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons;  3. Judith Voce.

Drohgebährden

Text: in Arbeit

Fotos: 1 + 2: Judith Voce;  3. Cgordon8527; [Public Domain] via Pixabay.

Kampf um Revier und Vorherrschaft

Text: in Arbeit

Fotos:  1. OpenCage, [CC BY 2.5], via Wikimedia Commons;  2. Judith Voce.

Stürmische Liebe

Fürsorgliche Mütter

Text: in Arbeit

Fotos: 1. Richard Hilber [Public domain], via Wikimedia Commons; 2. Richard Hilber, [Copyrighted free use], via Wikimedia Commons  

 

Fazit

Fazit: Die Bezeichnung "Stubentiger" ist durchaus angemessen, auch in unseren Haushalten leben kleine Raubtiere!

Foto: Judith Voce